Kann man jetzt auch Grabsteine anmieten?

Viele werden sich fragen: Kann man jetzt auch Grabsteine anmieten?

Insider werden diese Frage dahingehend beantworten, dass es solche Geschäftsvorgänge in sog. Nischenbereichen bereits gibt.  So sind Angebote zu Halloween bekannt, mit denen man für zuhause verschiedenste Dekorationen wie Totenköpfe, Särge, Skelette, Spinnen etc. anmieten kann. In dieser Angebotspalette lassen sich auch anzumietende Grabsteine finden, die – mit individuellen Grabsteinsprüchen versehen – gegen ein geringes Entgelt in Ihrem Vorgarten für rd. 25 EUR/Tag aufgestellt werden.

Ist das Anmieten eines Grabsteines eine Alternative?

Aus dieser makaberen Geschäftsidee wurde nunmehr die „Innovation“ abgeleitet, auch für den „üblichen“ Grabstein-Handel eine Anmietungsmöglichkeit anzubieten.

In Deutschland besteht eine Bestattungskultur, ein Grab mit bearbeiteten und beschrifteten massiven Natursteinen auszustatten. Diese werden mit einem Grabsteinspruch, dem Namen der Beerdigten nebst Geburts- und Sterbedatum versehen. Die Grabsteine sind Gegenstände des Totengedenkens und dienen zudem der Kennzeichnung der Grabstelle.

Die Kosten für einen Grabstein liegen im Durchschnitt bei 4.000 EUR – es kommen jedoch auch leicht Kosten von 6.000 EUR bis 8.000 EUR oder mehr zusammen.

Grabsteine selbst gibt es in den verschiedensten Ausführungen. Man hat die Wahl zwischen geschliffenen oder unbehauen Steinen. Das Material besteht aus Natur- oder Kunststein, Holz, Metall oder Glas. Es gibt stehende und liegende Grabmale, wobei die die Satzungsbestimmungen des jeweiligen Friedhofes zu beachten sind. Je nach Material, Form, Größe und Herkunft (bekannt sind die aus Indien stammenden Billiggrabsteine, die dort in Ziegeleien und Steinbrüchen von Kindern bearbeitet werden) kosten die Steine selbst zwischen 300 und 7.000 Euro.

Mit diesem Betrag ist aber nur der Stein selbst abgedeckt. Damit daraus ein „richtiger“ Grabstein wird braucht man zusätzlich eine Beschriftung. Die insoweit anfallenden Kosten bestimmen sich nach Größe, Art, Menge und Material (eingeschliffen im Stein oder aufgesetzt aus Bronze, Messing, Aluminium etc.). Neben den Kosten für die Grabsteine mit Beschriftung sind die Kosten für den Transport des Steins zum Grab und für ein frostsicheres Fundament zu beachten, damit der Stein nicht umstürzen kann.

Zu fragen ist daher, wie die Idee, Grabsteine zu vermieten, vom Markt angenommen wird und ob mit ihr Gewinne erzielt werden können.

Hierzu ist zunächst die Mietsituation abzuklären.

Beim Mieten von Gütern vermietet der Vermieter ein langlebiges Wirtschaftsgut. Für die Mietzeit übertragt er all seine Rechte an der Sache gegen ein Entgelt an den Mieter. Zum Vertragsende gibt der Mieter die Sache wieder zurück.

Die Vertragsabwicklung könnte sich beispielsweise so gestaltet werden, dass der Hinterbliebene einen Grabstein auf Vermittlung einer Vermietungs(Leasing-)gesellschaft in der Form anmietet, dass er zu einem Friedhofs nahen Steinmetz geht, dort einen Grabstein seiner Wahl aussucht, wobei der Hinterbliebene für den Steinmetz ein bar zahlender Kunde ist. Nach Abschluss des Bestellvorganges und Aufstellung des Grabsteines schließt der Hinterbliebene dann mit einer Vermietungsgesellschaft einen Mietvertrag ab, übereignet den Grabstein an diese Gesellschaft und erhält den an den Steinmetz gezahlten Werklohn von der Vermietungsgesellschaft zurück, wobei er numehr nur noch ratenweise Miete zahlen muss.

Diese Vorgehensweise ist für Hinterbliebene insbesondere aus zwei Gründen interessant

Zunächst kann der Hinterbliebene als „Mieter“ ab der ersten Rate über das den Grabstein verfügen, obwohl er den Werklohn des Steinmetzes nicht bereits ab Nutzungsbeginn komplett bezahlen muss. Er überweist jeden Monat seiner Nutzungszeit lediglich seine Raten und kann sein übriges Geld anderweitig einsetzen.

Zudem kann sich ein Grabstein mietender Hinterbliebener besser auf verschiedene Ruhezeiten des Grabes einrichten. Die Zeit, die ein Leichnam in einem Grab verbleiben muss, wird durch die jeweilige Friedhofssatzung genau festgelegt. In der Regel beträgt die Liegezeit im Grab 20 bis 25 Jahre oder bei der Urnenbestattung 10 bis 25 Jahre. Aus Kostengründen sehen die Friedhofssatzungen neuerdings immer kürzere Ruhezeiten vor.

Bei der immer größeren Mobilität der Gesellschaft ist es auch nicht unüblich, dass ein Grab 3 bis 5 Jahre nach einem Sterbefall und insbesondere dann, wenn eine Familie den Ort, in dem der Verstorbene bestattet wurde komplett verlässt, unter Entfernung des Grabmales in ein pflegeleichtes anonymes Grab umgestaltet wird.

Nach Ablauf der Ruhe- oder Nutzungszeiten besteht der Wert des eigentlichen Steins in unveränderter Höhe fort (Restwert). Dieses gilt insbesondere dann, wenn die Daten des Verstorbenen nicht in den Stein selbst eingeschliffen wurden, sondern Buchstaben oder eine gesonderte Namensplatte angebracht wurden, die sich leicht austauschen lässt.

Der kann in unveränderter Höhe bei der Mietpreisfinanzierung als Restwert einkalkuliert werden.
Lediglich ein Teil der Anschaffungs- /Herstellungs– und die Finanzierungskosten des Grabsteins plus Gewinn für den Vermieter müssen durch die Ratenzahlungen des Mieters amortiseirt werden; über An- und Schlusszahlungen zu Beginn und am Ende der Mietzeit werden die Kosten für den Aufbau, die Entfernung und die Beschriftung des Steins sowie den Sockel finanziert.

Bisher wurden „alte“ Grabsteine im Auftrag der Friedhofsverwaltung / Bau-und Umweltreferat entsorgt und zu Bauschotter verarbeitet.

Es gibt seit einiger Zeit aber auch schon Gebraucht-Grabstein-Händler, die gebrauchte Grabsteine zu „neuen“ Grabsteinen umarbeiten. Auf entsprechenden Internetseiten (sog. Grabsteinfindern) kann sich einen Wunschgrabstein aussuchen und individuelle Änderungswüsche eingeben.

Die Grabsteinanmietung dürfte sich im Markt als hierzu sinnvolle und umweltfreundliche Alternative etablieren, die zudem unwürdige Kinderarbeit in Asien vereitelt.

Anstatt bei einem Trauerfall mehrere Tausend Euro für einen Grabstein auszugeben, stellt die Anmietung eines Grabstein eine sinnvolle Alternative dar, da man nunmehr nur kleine Raten zu zahlen hat, mit denen nicht der eigentliche Steinwert als größte Kostenposition finanziert werden muss.

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